Die Geschichte von Hondo

Wir trafen uns zufällig 1982 beim alljährlichen Bata Illic Fanclubtreffen. Natürlich nicht im Saal der Ostseehalle, die war mit 2000 Mitgliedern übervoll, sondern vor den Toren. Ein Ordner hatte uns einzeln des Hauses verwiesen, da wir Verhaltensauffällig gewesen sein sollten. Seine Worte: „Was stimmt bloß nicht mit euch??? 99% der Gäste sind total friedlich und ihr verschüttet hier Erdbeermilch. Macht das ihr wegkommt, ihr dämlichen Schimpansen!!!“

Mhh…da standen wir nun, wir Einprozenter. Verstoßen. Verbannt. AUSSORTIERT. Was haben wir geweint…

Wir blickten uns an und wussten: Wir gehören zusammen! Zorn stieg in uns auf! Wir wollten nicht mehr die „Domestiken Illics“ sein (der Name unseres damaligen Fanclubs), sondern selbst etwas auf die Beine stellen. Selbst Mucke machen. Selbst berühmt werden.

Aber wir wollten bescheiden und bodenständig bleiben. Wir nannten uns „Die wunderschönen Millionarios“ und spielten in Supermarktlagerräumen und Fahrstuhlschächten. Die meisten Leute glauben, diese coole Mucke, die man während des Einkaufens oder im Lift hört, käme von Band. Das stimmt aber nicht. Alles Live. - Dann fiel die Mauer und die Konkurrenz war plötzlich groß. Der Job wurde härter, die Bedingungen entwürdigend (Stichwort: Besetzungscouch). Man glaubt gar nicht, wie fies und pervers Hausmeister und Stellvertretende Marktleiter sein können…

Das ging nicht lange gut. Und wir waren weit weg von den revolutionären Vorbildern, die wir in der Musik fanden. Also fassten wir einen Entschluss: Wir suchten uns die coolsten Macker aus der Szene, und kopierten die einfach. Und wir hatten Erfolg. Auf Hochzeiten, Schulfeten und Eselstalleröffnungen schwärmt man heute noch von unserem Repertoire. „Das bisschen Haushalt“, „Kleine Taschenlampe brenn!“, „Wozu sind Kriege da?“,  „Mc Donalds, Mc Donalds, Kentucky Fried Chicken and the Pizza Hut“ und natürlich, teils aus Rache für unsere zerbrochenen Träume, teils aus Protest wegen des 11. Septembers: „Ich hab noch Sand in den Schuhen aus Hawaii“.

 

Irgendwann füllten sich unsere Mundhöhlen allerdings mit Erbrochenem. Und das schmeckte uns nicht. Wir wollten nicht das nachplappern, was bessere Musiker uns vorkauten. Wir wollten selbst kreativ sein. Etwas Eigenes erschaffen. Der Zivilisation unseren eigenen Stempel aufdrücken. Während wir einen Western glotzten kreierten wir einen nie zuvor gehörten, eigenen Namen und -

Hondo war geboren!

Fortsetzung folgt...

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